Dienstag, 9.4.2019, 20:00 Uhr – Neue Konflikte, neue Lösungswege: Beziehungskrisen & Psychotherapie in Uganda

neue Gesprächsreihe ab März:

StreitKultur – voneinander lernen.
„Friedensgespräche“ mit ethnologischen Perspektiven.

Im Umgang mit Konflikten und ihren Lösungen spiegeln sich soziale Beziehungen, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Werte. Diese Gesprächsreihe soll dazu beitragen, Konflikte und ihre Hintergründe besser zu verstehen und einladen, über Konfliktlösungsstrategien aus verschiedenen kulturellen Kontexten nachzudenken und sie zu diskutieren.

Referent*innen aus Konfliktforschung, Ethnologie und ziviler Konfliktbearbeitung geben Einblicke in ihre Arbeitsthemen. Moderation: Berit Mohr, Kulturwissenschaftlerin und Mediatorin.

Termine und Referent*innen:

Neue Konflikte, neue Lösungswege: Beziehungskrisen & Psychotherapie in Uganda Julia Vorhölter

In diesem Vortrag, der auf längeren Forschungen in dem ostafrikanischen Land Uganda basiert, wird es um eine Art von Konflikten gehen, die wir alle aus unserem eigenen Alltag kennen: Konflikte in Familienbeziehungen und Partnerschaften. Uganda ist ein Land, welches in den letzten Jahrzehnten massive soziale, politische und ökonomische Umbrüche erlebt hat. Vor allem Geschlechter- und Generationenbeziehungen haben sich stark gewandelt bzw. werden fortlaufend neu ausgehandelt. Dies führt häufig zu Stress und Konflikten in Partnerschaften, Ehen oder zwischen Familienangehörigen, die für die Betroffenen oftmals mit großem Leiden verbunden sind. Der Vortrag analysiert die Hintergründe der heutzutage weit verbreiteten Beziehungskrisen und zeigt, wie UganderInnen sich nach neuen Strategien und ExpertInnen umsehen, die ihnen beim Verständnis und bei der Bewältigung dieser Konflikte und damit verbundenem Leiden helfen können. In diesem Kontext haben sich, vor allem in der Hauptstadt Kampala, seit Beginn der 2000er verschiedene Formen von psychologischer Psychotherapie entwickelt und verbreitet. Psychotherapien bieten einen neuen Interpretationsrahmen für Probleme und Konflikte und neue Emotions- und Verhaltensrepertoires, die für eine zunehmende Zahl von UganderInnen attraktiv und ausprobierenswert scheint – wobei unklar ist, inwieweit diese Therapien Menschen tatsächlich bei der Bewältigung komplexer sozialer Umbruchssituationen helfen können.

Vita

Julia Vorhölter ist seit 2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethnologie der Universität Göttingen. Ihr regionaler Schwerpunkt liegt auf Sub-Sahara Afrika, insbesondere Uganda, wo sie sowohl für ihre Doktorarbeit (Titel: ‚Youth at the Crossroads – Discourses on Socio-Cultural Change in Northern Uganda‘), als auch für ihr aktuelles Forschungsprojekt geforscht hat bzw. forscht. Thematisch beschäftigt sie sich derzeit vor allem mit Debatten im Bereich der psychiatrischen und psychologischen Anthropologie. Ihr aktuelles Projekt betrachtet sich-verändernde Diskurse über psychische Krankheit/Gesundheit und neu-entstehende Formen von Psychotherapie in Uganda. Andere Interessenschwerpunkte sind Dynamiken und Wahrnehmungen von sozio-kulturellen, politischem und ökonomischem Wandel in Subsahara Afrika, Jugend- und Generationenforschung, Konfliktforschung, Entwicklungsethnologie, Gender- und Sexualitätsforschung sowie theoretische Ansätze im Feld der Diskursanalyse- und Governmentality Studies.

  • Mi (!)15. Mai:
    Dr. Anna-Maria Brandstetter, Ethnologin, Mainz (“Wie umgehen mit gewaltvoller Vergangenheit – Konfliktbearbeitung in Ruanda“)
  • Di, 11. Juni:
    Dr. Eva Raabe, Ozenanienkustodin / kommissarische Leiterin Weltkulturen Museum Frankfurt (“Verwandtschaft und Adoption: Friedensstabilisierung in Neuguinea”)

Die GesprächsreiheStreitKultur wird gefördert von:

Veranstalter – Denkbar e. V.