Von den Beatles bis Taylor Swift feiert der Pop die Liebe als Instanz zur Erlangung existenziellen Glücks. Als Hegelsche »Kunst des Gemüts, die sich unmittelbar an das Gemüt selber wendet«, erscheint die Musik zudem als die für das Gefühl prädestinierte Kunstform. Doch das Liebeslied ist kein bloßes Genre, sondern die ästhetische Form, in der das Subjekt seine in der Konkurrenzgesellschaft konstituierte Gefühlswelt verhandelt.
Kenntnisreich untersucht Philipp Wulf die Genese des romantischen Liebesbegriffs, die Ästhetik von Pathos und Sentimentalität, Phänomene wie Guilty Pleasure oder das bewusste, distinguierte Konsumieren von Kitsch via Camp. Seine ideologiekritische Studie ist eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Voraussetzungen unseres Hörens und Empfindens – und zugleich eine implizite Liebeserklärung an die Kunstform des Popsongs.