Sonntag, 22.11.2020, 19Uhr – Manfred Clemenz, Buchvorstellung: Van Gogh – Manie und Melancholie

Prof. Dr. Manfred Clemenz: „Vincent van Gogh: Maler, Metaphyiker und Revolutionär
Moderation : Prof. Dr. Adrian Gaerter, Soziologie und Psychoanalytiker.

Dem Eindruck der glühenden Farben und ekstatischen Formen zum Trotz: Für van Gogh ist Kunst Mühsal und Leiden.

Zugleich ist sie die einzige Therapie gegen die Krankheit: die Melancholie. Kunst ist Krankheit und Therapie zugleich. Van Gogh beschreibt seine Melancholie, indem er zwischen einer destruktiven, „fatalen“ Melancholie und einer „aktiven“ Melancholie unterscheidet. Implizit bezieht er sich auf eine Diagnose, die seit der Antike bekannt ist: auf mania, einen Gemütszustand, der zwischen Depression und Wahn schwankt.

So wechseln tiefste Depression und ekstatischer Schaffensrausch bei van Gogh einander ab. Leiden ist dabei für ihn eine Voraussetzung für Kreativität, ein höherer Seins- und Bewusstseinszustand, den er deshalb häufig aktiv herbeiführt: durch Nahrungsentzug, durch Intoxikation mit Alkohol, Nikotin oder Koffein, durch Selbstkasteiung, bis hin zur Selbstverstümmelung. Die Kunst kann aber auch Therapie sein, durch mühsame und disziplinierte Arbeit, aber auch durch die Möglichkeit, sich seiner eigenen Bedeutung im künstlerischen Schaffen zu vergewissern.

Das Manko zahlreicher van-Gogh-Biographien ist, dass sie den Künstler jeweils auf einige wenige Aspekte seiner Persönlichkeit festlegen, und damit deren Vielschichtigkeit, Verflechtung und insbesondere deren Widersprüchlichkeit reduzieren. Vernachlässigt wurde dabei unter anderem, dass van Gogh eine komplexe Kunstphilosophie entwickelt hat, eine Art symbolisch-emotionaler Kompositionslehre, die Elemente der christlichen Farbmetaphysik aufgriff. Vernachlässigt wurde auch, dass van Gogh zweitweilig revolutionäre politische Ansichten hegte. Dass der Künstler eine sozialrevolutionärePosition vertrat. die Klassenverhältnisse und das Elend der Arbeiter anprangerte und eine Revolution für unausweichlich hielt, wurde sogar vehement bestritten. Der vorliegende Buch unternimmt erstmals den Versuch, Leben, Werk und Denken van Goghs aus psychologischer und kunsthistorischer Sicht auf breiter Datenbasis zu betrachten und zu analysieren“.

Prof. Dr. Manfred Clemenz
Kurzvita: Geb. 1938 in Stuttgart. Seit 1972 Prof. für Soziologie und Sozialpsychologie, J.W.  Goethe-Universität Frankfurt. Seit 1985 Psychologischer Psychotherapeut und Gruppenanlytiker in eigener Praxis. Seit 2008 Kunsthistoriker M.A. (J.W. Goethe-Universität). Neuere Buchveröffentlichungen: Affekt und Form (2010), Der Mythos Paul Klee (2016), Vincent van Gogh, Manie und Melancholie ((2020). Zahlreiche Vorträge und Artikel zur Kunsttheorie und Kunstpsychologie. Derzeitiger Schwerpunkt: Historische Rekonstruktion der „KritischenTheorie“.

 

Eintritt frei – um Spenden wird gebeten.

Veranstalter: Denkbar e.V.

Wegen der limitierten Plätze ist eine Voranmeldung über Mail notwendig!
Verbindliche Anmeldungen über info@denkbar-ffm.de

Zurzeit können wir (abhängig von der Clusterbildung der Zusammengehörigkeit von Besuchern) nur ca. 15 Menschen in unserem Veranstaltungsraum unterbringen, einschließlich der Vortragenden. Die Anmeldeliste (Name/ Telefon/ Mailadresse) dient gleichzeitig dem verlangten Besuchernachweis, der für die Nachweisdauer aufbewahrt werden muss. Beim Eintritt und bei Bewegung im Raum (zB. beim Gang zum WC) besteht Maskenpflicht. Desinfektionsmittel steht allen Gästen zur Verfügung.